Ein fast acht Jahre alter Post von Friedrich Merz bekommt nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt plötzlich eine ganz neue Bedeutung. Damals gab der heutige Bundeskanzler ein ehrgeiziges Ziel aus: Die CDU sollte wieder auf bis zu 40 Prozent kommen – und die AfD halbiert werden. In Sachsen-Anhalt ist aber das Gegenteil eingetreten.
Der Beitrag stammt aus einer politisch völlig anderen Zeit. Im November 2018 kämpfte Friedrich Merz um den CDU-Vorsitz und wollte seiner Partei nach schwierigen Jahren wieder zu alter Stärke verhelfen.
„Wir können wieder bis zu 40% erzielen und die AfD halbieren“
Seine damalige Ansage fiel entsprechend selbstbewusst aus: „Wir können wieder bis zu 40% erzielen und die AfD halbieren. Das geht! Aber wir selbst müssen dafür die Voraussetzungen schaffen. Das ist unsere Aufgabe.“
„Wir können wieder bis zu 40% erzielen und die AfD halbieren. Das geht! Aber wir selbst müssen dafür die Voraussetzungen schaffen. Das ist unsere Aufgabe.“ #merz #CDUVorsitz #cdupt18 @CDU
— Friedrich Merz (@_FriedrichMerz) November 15, 2018
Acht Jahre später dürfte Friedrich Merz ausgerechnet dieser Satz wieder begegnen. Denn das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht in einem bemerkenswerten Gegensatz zu seinem damaligen Ziel.
AfD verdoppelt sich – CDU wurde halbiert
Bei der Landtagswahl 2021 erreichte die CDU noch 37,1 Prozent und wurde mit großem Abstand stärkste Kraft. Die AfD kam damals auf 20,8 Prozent. Nun haben sich die Kräfteverhältnisse grundlegend verändert: Die AfD landet bei rund 44 Prozent und kann ihren Stimmenanteil damit mehr als verdoppeln. Die CDU stürzt dagegen auf knapp 18 Prozent ab – und verliert gegenüber 2021 ungefähr die Hälfte ihres damaligen Ergebnisses.
AfD-Chef Tino Chrupalla lässt es sich am Wahlabend nicht nehmen, Friedrich Merz genau daran zu erinnern. „Friedrich Merz wollte uns halbieren, wir haben jetzt die CDU halbiert“, erklärt er nach dem Wahlerfolg seiner Partei.
Hat Friedrich Merz der CDU geschadet?
Die Gründe für das CDU-Debakel liegen allerdings nicht ausschließlich in Sachsen-Anhalt. Die Bundespolitik dürfte ebenfalls eine erhebliche Rolle gespielt haben.
Die ARD-Wahlanalyse zeigt, wie groß der Frust selbst innerhalb des CDU-Lagers ist. Zwei Drittel der CDU-Wähler sind der Ansicht, ihre Partei habe vor der Bundestagswahl viel versprochen, aber wenig davon umgesetzt. Unter allen Wahlberechtigten teilen sogar mehr als 80 Prozent diese Einschätzung.
Hinzu kommt: 59 Prozent der Befragten finden, die Bundesregierung habe bei der Landtagswahl einen „Denkzettel“ verdient. Die schwarz-rote Bundesregierung ist in Sachsen-Anhalt äußerst unbeliebt – und nach Einschätzung der ARD-Wahlanalyse wird dafür vor allem die CDU verantwortlich gemacht.
Auch auf Landesebene lief längst nicht alles rund. Nur 31 Prozent der Befragten sind mit der bisherigen Landesregierung zufrieden. CDU-Ministerpräsident Sven Schulze konnte zudem kaum von einem Amtsbonus profitieren: Er ist erst seit Januar im Amt und vielen Wählern noch nicht besonders vertraut. Die Niederlage allein Friedrich Merz zuzuschreiben, wäre deshalb zu einfach. Rückenwind aus Berlin bekam die CDU in Sachsen-Anhalt allerdings offensichtlich nicht.
Und so wirkt sein alter Post heute fast wie eine politische Momentaufnahme aus einer anderen Welt: Friedrich Merz wollte die CDU auf bis zu 40 Prozent bringen und die AfD halbieren. In Sachsen-Anhalt liegt nun die AfD bei mehr als 40 Prozent – während die CDU nicht einmal mehr die 20-Prozent-Marke erreicht.
















































