Ein Kaffee in einem Edeka-Markt sorgt in den sozialen Netzwerken für Wirbel. Das Produkt positioniert sich gegen die rechtsextreme AfD. Diese Aktion ging viral und ein solches Ausmaß an Kritik hat die Marktleitung nicht kommen sehen – nun muss der Supermarkt reagieren.
Edeka Wollny im bayerischen Friedberg hat seit Ende Januar Kaffee von der Rösterei „olivier caffè“ aus Wolfsburg im Sortiment. „Diese Kooperation freut uns ganz besonders – denn olivier caffè teilt unsere klare Haltung für Toleranz, Vielfalt und ein offenes Miteinander uneingeschränkt und kommuniziert diese Werte auch sichtbar nach außen“, hieß es damals in einem Facebook-Post.
Schon länger verkauft die Wolfsburger Rösterei „Olivier Caffè“ Anti-AfD-Tassen mit entsprechenden Aufschriften – darunter „Kein Kaffee für Nazis“. Von jeder verkauften Kaffee-Dose spendet das Unternehmen einen Euro an die Wolfsburger Flüchtlingshilfe. Zudem hat die Rösterei eine Kaffeesorte mit der Aufschrift „Fck AfD“ im Sortiment. Die Kaffeesorte sowie die Tassen kamen so gut an, dass es diese auch in die Edeka-Filiale nach Friedberg schafften – doch das sorgt bei einigen für große Empörung. „Politik hat im Supermarkt nichts verloren. Verkauft euren Kram und gut ist“, schreibt beispielsweise ein User in den sozialen Netzwerken.
Ganz vorn dabei ist auch AfD-Fraktionsmitglied Kay-Uwe Ziegler. Der Politiker äußerte sich in den sozialen Netzwerken kritisch zu den Anti-Produkten gegen seine Partei. „Will der Lebensmitteleinzelhandel künftig politische Kampagnenware zwischen Milch und Mehl platzieren? Supermärkte sind Orte der Grundversorgung, keine politischen Aktionsflächen. Wer dort einkauft, erwartet in der Regel Neutralität und keine bewusst provokanten Parolen auf Alltagsprodukten. Selbst wenn sich einzelne Märkte auf unternehmerische Freiheit berufen können, bleibt die grundsätzliche Verantwortung gegenüber einer breiten, politisch heterogenen Kundschaft. Ein Handelsunternehmen, das mit politisch zugespitzten Botschaften Umsatz macht, muss sich fragen lassen, ob es damit zur weiteren Polarisierung beiträgt, oder ob wirtschaftliche Kalkulation hier über gesellschaftlicher Zurückhaltung steht“, schreibt er bei Facebook.
Edeka beendet Verkauf nach Kritik
Der Markt habe sich nach der heftigen Kritik zahlreicher User nun in einem weiteren Statement zu Wort gemeldet. „Ja, wir haben Fehler gemacht. Das tut uns sehr leid. Wir hätten nicht mit Olivier Caffè zusammenarbeiten dürfen, das haben wir jetzt verstanden“, heißt es darin. Nach der Anti-AfD-Kampagne habe das Team des Supermarktes Morddrohungen erhalten. Deshalb ziehe man nun Konsequenzen: „Aus diesem Grunde werden wir ab morgen endgültig wieder zu Bildern und Videos von Produkten aus unserem Sortiment und neuen Lieferanten zurückkehren.“
Auch „olivier caffè“ erklärt in einer Stellungnahme: „Nach reiflicher Überlegung sehen wir uns daher gezwungen, die Kooperation mit Edeka Wollny zu beenden. Wir können nicht verantworten, dass durch den Verkauf unseres Kaffees womöglich Gefühle verletzt, Weltbilder erschüttert oder ironische Inhalte missverstanden werden.“ Bei beiden Statements ist jedoch ein ironischer Unterton zu erkennen – ganz schlau wird man aus dieser Zusammenarbeit also nicht. Unklar ist zudem, ob der Kaffee noch immer im Sortiment ist und wie hoch die Nachfrage nach dem Produkt wirklich war.


















































