News

Anna-Lena von Hodenberg: „Wenn Menschen aus Angst verstummen“

Anna-Lena von Hodenberg
Sven Serkis

Der Artikel erscheint im Rahmen der Aktion „Demokratie braucht viele Stimmen“. Auch KUKKSI beteiligt sich an der Initiative – mehr Details dazu unter dem Artikel.

KUKKSI BEI GOOGLE FOLGEN
Füge KUKKSI als bevorzugte Quelle bei Google hinzu, um mehr Inhalte von uns zu sehen.

Hass, Drohungen und digitale Gewalt führen dazu, dass sich Menschen aus öffentlichen Debatten zurückziehen. HateAid-Gründerin Anna-Lena von Hodenberg erklärt, warum das die Meinungsvielfalt verändert – und was dagegen zu tun ist.

Meinungsfreiheit bedeutet, dass jeder seine Meinung äußern darf. Aber was ist diese Freiheit noch wert, wenn Menschen aus Angst vor Hass und Bedrohungen lieber schweigen?

Das Internet ist heute einer der wichtigsten Kommunikationsräume. Hier verhandeln wir unsere großen gesellschaftlichen Debatten und informieren uns über relevante Themen. In diesem Raum sollten sich alle Menschen trauen, frei ihre Meinung zu sagen. Umso erschreckender ist es, dass das für viele nicht mehr möglich ist.

Eine repräsentative Studie zeigt: Mehr als die Hälfte der Internetnutzenden zieht sich aus Angst vor digitaler Gewalt aus dem öffentlichen demokratischen Diskurs im Netz zurück. Die Mehrheit bekennt sich online seltener zu ihrer politischen Meinung und beteiligt sich weniger an Diskussionen – aus Angst, selbst beleidigt oder bedroht zu werden.

Das ist nicht nur eine Gefahr für die Meinungsfreiheit, sondern insgesamt für unsere Demokratie. Wir müssen sicherstellen, dass Zensur weder vom Staat ausgeht noch Menschen durch Einschüchterung dazu gebracht werden, ihre Meinung nicht mehr zu äußern.

Wenn immer mehr Menschen online schweigen – bestimmen dann am Ende vor allem die Lauten und Radikalen das öffentliche Bild?

Ja, genau diese Gefahr besteht. Wenn immer mehr Menschen sagen: „Das tue ich mir nicht mehr an, ich äußere mich online nicht mehr“, dann fehlen diese Stimmen und Meinungen im öffentlichen Diskurs. Sichtbar bleiben vor allem die Lauten, Aggressiven und Radikalen und ihre Botschaften.

Dadurch kann ein verzerrter Eindruck entstehen, was tatsächlich mehrheitsfähig oder gesellschaftlich akzeptiert ist. In den letzten Jahren haben wir gesehen, wie sich dadurch radikale Sprache und Positionen immer mehr normalisiert haben und förmlich „sagbar“ geworden sind. Selbstzensur betrifft deshalb nicht nur den Einzelnen, sondern uns alle – sie verändert den öffentlichen Diskurs insgesamt.

Was braucht es, damit wir auch im Netz kontrovers streiten können, ohne Menschen mundtot zu machen? Und wer trägt dafür die Verantwortung?

Wir brauchen einen digitalen Raum, in dem kontroverse Debatten möglich sind, ohne dass Menschen durch Hass, Bedrohungen oder Verleumdungen mundtot gemacht werden. Illegale Inhalte müssen schnell und konsequent entfernt werden, Täter müssen zur Verantwortung gezogen werden und Betroffene brauchen einen einfachen Zugang zum Recht und Gerechtigkeit.

Vor allem aber stehen die Plattformen in der Verantwortung. Gewaltvolle Inhalte und Desinformation dürfen nicht schneller verbreitet werden als sachliche Diskussionen, nur weil sie mehr Aufmerksamkeit erzeugen. Solange Plattformen mit digitaler Gewalt und Desinformation Geld verdienen, werden sich die Anreize kaum verändern.

Wir haben schon ein wichtiges Gesetz, das Plattformen dazu verpflichtet, unsere demokratischen Werte durchzusetzen: den Digital Services Act. Doch die US-Regierung hat sich mit den Tech-Bossen zusammengetan und verhindert, dass dieses Gesetz durchgesetzt wird. Das dürfen wir nicht zulassen: US-Tech-Billionäre wie Musk oder Zuckerberg dürfen nicht über dem Gesetz stehen – auf Kosten von Kinder- und Jugendschutz, Meinungsfreiheit und Demokratie.

Zur Person

Anna-Lena von Hodenberg ist Journalistin und Mitgründerin sowie Geschäftsführerin der gemeinnützigen Organisation HateAid, die sich gegen digitale Gewalt und für Menschenrechte im Netz einsetzt. Für ihr Engagement wurde sie 2025 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Zahlreiche Medien beteiligen sich an der Aktion „Demokratie braucht viele Stimmen“

Vom 14. bis 19. September 2026 schließen sich erstmals zahlreiche journalistische Angebote aus unterschiedlichen Bereichen für die bundesweite Aktionswoche „Demokratie braucht viele Stimmen“ zusammen. Damit soll auf die Bedeutung glaubwürdiger Informationen und professioneller journalistischer Arbeit aufmerksam gemacht werden. Auch KUKKSI beteiligt sich an der Initiative.

Mehr Details gibt es auf der Website demokratiebrauchtvielestimmen.de.

You May Also Like

News

Sie ist nun Geschichte – das Ampel-Aus wurde besiegelt! Kanzler Olaf Scholz feuerte Finanzminister Christian Lindner – damit ist die FDP aus der Regierung...

Liebe

Du hast dein erstes Mal und bist richtig nervös? Und vor allem fragst du dich, wie du den Penis in die Scheide richtig einführst?...

Horoskop

Manchmal sind wir ziemlich vom Pech verfolgt. Bei anderen scheint dagegen alles rund zu laufen – egal, was sie in ihrem Leben anpacken. Und...

Horoskop

Einige Menschen sind besonders egoistisch und haben deshalb auch meist keine langen und festen Freundschaften. Denn sie denken nur an sich und nehmen kaum...