Die Umfragewerte der AfD in Sachsen-Anhalt sorgen beim Lesben- und Schwulenverband (LSVD+) für große Sorgen. Sollte die Partei bei der kommenden Landtagswahl tatsächlich eine absolute Mehrheit erreichen, warnt der Verband vor weitreichenden Konsequenzen für queere* Menschen. Im Interview mit KUKKSI findet Vera Baryshnikov deutliche Worte.
Der Blick auf die kommende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sorgt innerhalb der queeren Community für Unruhe. Laut aktuellen Umfragen könnte die AfD nicht nur stärkste politische Kraft werden, sondern möglicherweise sogar die absolute Mehrheit erreichen.
Die Partei stellt die traditionelle Familie in den Mittelpunkt ihrer Politik und lehnt zahlreiche Maßnahmen zur Förderung geschlechtlicher und sexueller Vielfalt ab. Unter anderem geht es um die Finanzierung von LGBTQ+-Projekten, Bildungsangebote zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt sowie Regenbogenflaggen an öffentlichen Einrichtungen.
Vera Baryshnikov von der LSBTIQ*-Landeskoordinierungsstelle Sachsen-Anhalt Nord, die zum LSVD+ Sachsen-Anhalt gehört, warnt im Interview mit KUKKSI eindringlich vor den möglichen Auswirkungen eines AfD-Wahlerfolgs.
LSVD+ warnt vor „gravierenden“ Folgen
Besonders scharf kritisiert Vera Baryshnikov die Wortwahl im Wahlprogramm der AfD. Aus ihrer Sicht gehe es längst nicht mehr ausschließlich um einzelne politische Entscheidungen. Vielmehr würden „die Rechte, die Sichtbarkeit und die gesellschaftliche Teilhabe queerer* Menschen grundsätzlich infrage“ gestellt, stellt sie im exklusiven Interview mit KUKKSI klar.
Auch Forderungen nach einem Verbot von Regenbogenflaggen an Schulen sowie Einschränkungen bei der medizinischen Versorgung von trans Menschen sieht der Verband äußerst kritisch. Begriffe wie „Translobby“ oder „Regenbogenideologie“ würden nach Einschätzung des LSVD+ dazu beitragen, Feindbilder aufzubauen und gesellschaftliche Konflikte anzuheizen.
Die möglichen Konsequenzen bezeichnet Vera Baryshnikov als „gravierend“. Sie warnt davor, dass Aufklärungsangebote abgebaut, die medizinische Versorgung eingeschränkt und queere Menschen zunehmend aus dem öffentlichen Raum gedrängt werden könnten.
„Für queere* Menschen bedeutet das eine reale Gefahr“
Besonders besorgt zeigt sich der LSVD+ über eine mögliche absolute Mehrheit der AfD. „Für queere* Menschen bedeutet das eine reale Gefahr“, erklärt Vera Baryshnikov gegenüber KUKKSI. Bereits jetzt seien Anfeindungen und queerfeindliche Angriffe für viele Betroffene Realität. Ein entsprechender Wahlerfolg könnte nach Einschätzung des Verbandes das gesellschaftliche Klima weiter verschärfen und den Eindruck vermitteln, „dass Ausgrenzung und Diskriminierung politisch legitim sind“.
Der LSVD+ will deshalb auch unter schwierigen politischen Bedingungen weiterhin Schutz- und Beratungsangebote für die Community aufrechterhalten. Gleichzeitig appelliert der Verband an die Gesellschaft, bei Diskriminierung und queerfeindlichen Übergriffen nicht wegzuschauen.
Könnten CSDs in Sachsen-Anhalt verschwinden?
Auch die Zukunft der Christopher Street Days beschäftigt die Community. Könnte eine absolute Mehrheit der AfD am Ende sogar dazu führen, dass CSDs in Sachsen-Anhalt verschwinden? Die Antwort des LSVD+ fällt eindeutig aus: „Nein. Wenn es nach uns geht, ganz sicher nicht.“
Allerdings rechnet der Verband damit, dass der politische Druck auf CSDs und andere queere Veranstaltungen steigen könnte. Schon heute seien die Demonstrationen immer wieder mit Anfeindungen, Einschüchterungsversuchen und rechtsextremen Gegenprotesten konfrontiert. Ein Rückzug kommt für den LSVD+ dennoch nicht infrage. „CSDs sind politische Demonstrationen, Ausdruck der Versammlungsfreiheit und wir erkämpfen uns damit auch unseren Platz in der Gesellschaft. Wer CSDs angreift, greift demokratische Grundrechte an“, stellt Vera Baryshnikov klar.
Und sie kündigt an: „Wir werden uns diese Sichtbarkeit nicht nehmen lassen.“ Selbst bei wachsendem politischen Druck wolle die Community weiter für Freiheit, Vielfalt und gleiche Rechte auf die Straße gehen.
Das komplette KUKKSI-Interview mit Vera Baryshnikov gibt es hier.













































