Annalena Baerbock leitet seit rund einem Jahr die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN). Nun blickt die ehemalige Außenministerin auf ihre Zeit in der Bundesregierung zurück – und übt deutliche Kritik am Umgang mit Frauen in der Politik.
Seit September 2025 ist Annalena Baerbock (45) Präsidentin der UN-Generalversammlung in New York. In dieser Funktion leitet sie die Sitzungen des wichtigsten Gremiums der Vereinten Nationen und vertritt die Generalversammlung bei internationalen Terminen. Jetzt spricht die frühere Außenministerin offen über Sexismus, Hass und Anfeindungen, mit denen Frauen in der Politik konfrontiert werden.
„Konstruktive Kritik und erst recht Selbstreflexion ist für mich essenziell“, sagt Annalena Baerbock in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Vor ihrer politischen Karriere war sie Leistungssportlerin. Aus ihrer Sicht gibt es dabei eine Parallele zwischen Sport und Politik: Frauen müssten in beiden Bereichen häufig mit besonderem Gegenwind rechnen.
„Solche Kommentare gibt’s bei Robert Habeck oder Friedrich Merz einfach nicht“
„Bei Frauen jedoch kommt, egal ob Sport oder Spitzenpolitik, je sichtbarer man wird, immer noch eine zusätzliche Angriffslinie dazu. Dann ist plötzlich die Stimme zu hoch oder die High Heels. Bei Social Media gerne noch mit dem Zusatz: ‚Nutte‘ oder ‚F*tze‘“, so die 45-Jährige. Und weiter: „Solche Kommentare gibt’s bei Robert Habeck oder Friedrich Merz einfach nicht.“
Auf die Frage, ob sie von der Politik die Nase voll habe, antwortete die ehemalige Außenministerin: „Es gab Momente, wo ich dachte: Wie lange kann ich das vor allem meinen Kindern noch zumuten?“
Annalena Baerbock spricht über Hass und ihre Familie
Mittlerweile gehe sie mit Anfeindungen gelassener um. Hasskommentare würden sie heute nicht mehr so stark treffen wie früher. „Gerade wenn man sich bewusst macht, dass es das Ziel von solchen Schmähkampagnen ist – gerade auch anderen, vor allem jungen Frauen zu signalisieren: Wagt es gar nicht –, hat es bei mir zu immer mehr innerer Freiheit geführt.“
Im Herbst endet ihre Amtszeit an der Spitze der UN-Generalversammlung. Wie es danach für sie weitergeht, ist bislang offen. Gleichzeitig räumt Annalena Baerbock ein, wie belastend ihre politische Karriere für ihre Familie war: „Eine Mutter im dauerhaften grellen medialen Scheinwerferlicht ist für Kinder alles andere als schön.“
Auch auf das Ende der Ampel-Koalition blickt sie mit gemischten Gefühlen zurück. In der „Süddeutschen Zeitung“ sagt sie: „Ich habe meinen absolut geliebten Job verloren, aber meine Töchter wiedergewonnen.“















































