Hitler kommt an die Macht, politische Gegner werden verfolgt und der Reichstag brennt: Das Finale von „Babylon Berlin“ spielt in einer der dunkelsten Phasen der deutschen Geschichte. Während Gereon Rath und Charlotte Ritter erfunden sind, haben viele Ereignisse einen realen Hintergrund.
Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Knapp einen Monat später brannte der Reichstag. Bereits am folgenden Tag wurden durch die Reichstagsbrandverordnung wesentliche Grundrechte außer Kraft gesetzt. Am 23. März folgte das Ermächtigungsgesetz. Innerhalb weniger Wochen wurde die parlamentarische Demokratie ausgeschaltet. Doch bei einigen Geschichten nimmt es „Babylon Berlin“ mit den historischen Fakten weniger genau.
„Babylon Berlin“ hat viel für das Geschichtsbewusstsein geleistet
Schriftsteller Uwe Wittstock hat sich intensiv mit dem Jahr 1933 beschäftigt. Grundsätzlich findet er lobende Worte für die ARD-Serie. „Damit hat sie viel für das Geschichtsbewusstsein in Deutschland geleistet“, erklärt der Autor von „Februar 33“ im Interview mit „t-online„.
Vor allem die Geschwindigkeit der Veränderungen werde treffend vermittelt. Menschen hätten plötzlich Nationalsozialisten als Kollegen oder Vorgesetzte erlebt und erkannt, „wie schutzlos sie in ihrem persönlichen Leben den Leuten Hitlers ausgeliefert waren“.
Bei anderen Details sieht Uwe Wittstock dagegen Schwächen. Selbst das Wetter stößt ihm auf: Der Winter 1933 sei bitterkalt gewesen, in der Serie werde davon jedoch wenig vermittelt. Für die Atmosphäre seien solche Details „extrem wichtig“.
Hitlers Krankenakte: „Blödsinniger Fehler“
Besonders kritisch sieht Uwe Wittstock die Geschichte um eine angeblich brisante Krankenakte Adolf Hitlers. „Das hat mit historischer Wahrheit nichts zu tun“, stellt er klar und spricht von einem „blödsinnigen Fehler“. Hitlers vorübergehende Blindheit während des Ersten Weltkriegs sei schließlich kein Geheimnis gewesen.
Auch beim Reichstagsbrand sieht er eine Grenze. Dessen genaue Hintergründe sind bis heute nicht vollständig geklärt. „Wenn der Film das als Tatsache hinstellt, ist das falsch“, sagt Uwe Wittstock über eine Beteiligung der Nationalsozialisten. Noch deutlicher wird er bei einem für die Serie erfundenen Attentatsversuch auf Adolf Hitler. Diesen bezeichnet der Schriftsteller als „superbilligen Trick“ und „echtes Armutszeugnis“.

„Das ist noch schlimmer als heute in Sachsen-Anhalt“
Uwe Wittstock erklärt im Interview auch, warum die Demokratie 1933 so schnell zerstört werden konnte. Er nennt unter anderem die Entschlossenheit der Nationalsozialisten, Unterstützung durch Großindustrielle, wirtschaftliches Elend, Antisemitismus und Teile der Justiz. Gleichzeitig habe es zu wenige überzeugte Verteidiger der Demokratie gegeben.
Auch die KPD lehnte die parlamentarische Demokratie ab. Nach seiner Darstellung kamen NSDAP und KPD im Parlament zusammen auf 50 Prozent der Stimmen. An dieser Stelle zieht der Schriftsteller gegenüber „t-online“ einen Vergleich zur heutigen politischen Situation: „Das ist noch schlimmer als heute in Sachsen-Anhalt.“
Eine Gleichsetzung mit Deutschland im Jahr 1933 nimmt Uwe Wittstock jedoch nicht vor. Er verweist selbst auf wesentliche Unterschiede. So gebe es heute beispielsweise keine faschistische Miliz wie damals die SA. Dennoch sieht der Autor einige aktuelle Entwicklungen mit Sorge. Er spricht unter anderem über Antisemitismus und Hass auf Migranten und warnt vor einem neuen „Klima der Unmenschlichkeit“.
„Babylon Berlin“ bleibt damit eine historische Dramaserie und keine Dokumentation. Die dramatischen politischen Entwicklungen des Jahres 1933 sind real – bei einigen zentralen Handlungssträngen haben sich die Macher jedoch deutliche Freiheiten genommen.



















































