Der Artikel erscheint im Rahmen der Aktion „Demokratie braucht viele Stimmen“. Auch KUKKSI beteiligt sich an der Initiative – mehr Details dazu unter dem Artikel.
Herbert Grönemeyer wurde 2026 mit dem Deutschen Nationalpreis für sein gesellschaftliches Engagement ausgezeichnet. In seiner Dankesrede sprach der Musiker über Zusammenhalt und Gemeinschaft, über unterschiedliche Meinungen und Perspektiven – und darüber, was jeder Einzelne zu einer lebendigen Demokratie beitragen kann. Für die Initiative „Demokratie braucht viele Stimmen“ stellt er Auszüge aus dieser Rede zur Veröffentlichung zur Verfügung.
Wir brauchen als Zivilgesellschaft nicht unbedingt eine Mutti oder einen Vati. Wir haben uns selbst. Und jetzt sind wir gefragt, in Aktion zu kommen, in Bewegung, in eine Bewegung der Bürger für Bürger. Es geht um sehr vieles, es geht um unser aller Freiheit, Freiheit gegen Bequemlichkeit.
Menschen wollen ernst genommen werden, wollen über den politischen, sozialen Stand ihres Landes informiert werden in einem respektvollen Ton, auch gerne über Probleme. Sie wollen gefordert und einbezogen werden. So bleiben sie auf Ballhöhe, können sich einen Kopf machen, abwägen und ihr Verständnis und Anpacken anbieten. Ein Land ist eine Familie, ist ein Team, und durchs Schweigen ist noch keiner ans Laufen und ans Gewinnen gekommen. Das wäre ein normales Zeichen von Respekt, alles andere ist ein Zeichen von Überheblichkeit und Desinteresse.
Lasst uns gemeinsam neue Ideen für die Demokratieverbesserung zusammentragen, die zu einem neuen Gemeinschaftsverständnis führen. Die zeigen, dass wir uns gegenseitig sehen, dass wir uns umeinander sorgen und uns aneinander freuen. Ein frisches Aufeinanderzugehen, Zuhören, Akzeptieren über Grenzen hinaus – unabhängig davon, ob jemand an Gott glaubt oder nicht, welche Meinung er oder sie vertritt, welche Sprache er oder sie spricht, welchem Geschlecht er oder sie sich zugehörig fühlt.
Wir sollten auch lernen, uns nicht hinter der Politik zu verstecken. Wir sind die Zivilgesellschaft, wir sind ihre Arbeitgeber. Und haben wir die falschen angestellt, enthebt uns das nicht aus der Eigenverantwortung, unsere Bürgerbelange gemeinsam auch eigenständig weiter zu sortieren.
Die Gegenwart wird weltweit von populistischen Kräften und Regierungen durchsetzt, von, wie Thomas Mann es bezeichnete, defekter Menschlichkeit, von gemeiner Hetze, von Fälschung der Wahrheiten und der Vernunft, von gewissenlosem, unmoralischem Gefasel, von Gaunerpsychologie, von hier bei uns, anmaßender Deutschtümelei. Aber die Bevölkerung ist nach wie vor bereit für Zuversicht, für Torhunger und Lebenslust, auch in diesen wüsten Zeiten. Das Netz und Onlinemedien generieren beste Klickzahlen mit negativen Nachrichten über Niedergang, Absturz und drohenden Faschismus. Dass die Zeiten besorgniserregend und für viele Menschen extrem schwierig sind, ist in uns alle eingesickert und bekannt.

Aber wo bleibt die Gegenerzählung? Die Gegenwart ist drückend, aber was ist mit der Zukunft? Auf und in uns liegt der Aufbruch. Wir sind prallvoll mit demokratisch humanistischen Elementen in uns, an die gilt es sich zu erinnern, sie auszugießen und sie wieder ins Rennen zu schicken. Es geht immer um alle von uns, um Anstand, Achtung, Respekt und Verspieltheit, um Sympathie, Schwester- und Brüderlichkeit, um Zusammenarbeit an der Idee Deutschland und Europa.
Wir tragen als Gemeinschaft genug Wucht, Solidarität und Mitmenschlichkeit in uns, um uns in den nächsten Jahrzehnten immer wieder neu zu begegnen, uns gegenseitig zu stützen, zu teilen, zuzuhören und zusammen breit und verständnisvoll eine demokratische, rundum erneuerte Zukunft anzuschieben.
Und die brauchen die Abermillionen leuchtenden Augen unserer Kinder und Kindeskinder, die haben die uns folgenden Generationen mehr als verdient. Wir sind massiv in der Pflicht. Hier wird an den Citoyen, die Staatsbürgerin, den Staatsbürger appelliert, an das mündige Mitglied einer Gesellschaft, das sich mit seinem politischen, aktiven Engagement für den Gemeinsinn und das Gemeinwohl einsetzt. Es geht um das Mitgestalten der Demokratie, Nachbarschaftshilfe und die aktive Sorge fürs Zusammenleben.
Wir gehören alle zusammen, welche politische Ausrichtung und welche Meinung auch immer. Wir machen uns die gleichen Sorgen, wir sitzen alle in der gleichen Klasse, es gibt nur eine. Unser wunderbares Grundgesetz ist unser Fundament. Darauf sind wir gewachsen, aufgebaut inzwischen auch von Millionen Händen, Köpfen und Seelen hundertfacher Herkünfte aus aller Welt. Das ist mein Lebenselixier, das hat mich geprägt, so schreibe ich, so ringe ich, so ist meine Musik, so singe ich: grenzenlos und bunt, umarmt und getragen von so vielen unterschiedlichen Blicken.
Lasst uns mehr voneinander wissen wollen, lasst uns mehr miteinander reden und den anderen ausreden lassen, lasst uns mehr Selbstironie und Freundlichkeit an und in den Tag legen. Wir gehören zusammen und dazu, wir sind Mitmenschen. Wir tun uns manchmal schwer, mit uns selbst zu leben, wir verzweifeln an uns. Aber ich weigere mich, vor der Zukunft Angst zu haben oder haben zu müssen.
Wir haben ein Momentum, um Ideen, Kräfte, Kulturen, Wissen und Haltungen zu bündeln. Um uns komplett in die gemeinschaftliche Zukunft auszurichten. Erzählen, was möglich wird und es dann möglich machen. Das ist unser positives Ziel.
Zahlreiche Medien beteiligen sich an der Aktion „Demokratie braucht viele Stimmen“
Vom 14. bis 19. September 2026 schließen sich erstmals zahlreiche journalistische Angebote aus unterschiedlichen Bereichen für die bundesweite Aktionswoche „Demokratie braucht viele Stimmen“ zusammen. Damit soll auf die Bedeutung glaubwürdiger Informationen und professioneller journalistischer Arbeit aufmerksam gemacht werden. Auch KUKKSI beteiligt sich an der Initiative.
Mehr Details gibt es auf der Website demokratiebrauchtvielestimmen.de.
















































