Ein Jobcenter-Mitarbeiter steht nach seiner öffentlichen Kritik am Bürgergeld plötzlich selbst ohne Job da. Die Behörde hat ihm fristlos gekündigt.
In der ZDF-Sendung „Am Puls mit Sarah Tacke – System Bürgergeld: Leben ohne Leistung“ sprach Fred Göcken offen über die Arbeit in seinem Jobcenter. Das hatte nun offenbar Konsequenzen: Nach seinen kritischen Aussagen zog die Behörde die Reißleine und feuerte den Mitarbeiter.
Der Vorwurf: Fred Göcken habe die Behörde „diffamiert“, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. In der ZDF-Dokumentation erklärte er unter anderem, die Aufgabe der Behörde sei das „Geldausgeben“. Würden er und seine Kollegen die Bürgergeld-Empfänger erfolgreich in Arbeit vermitteln, würde sich ihre Tätigkeit schließlich erübrigen. Zudem behauptete Fred Göcken, es sei „ein offenes Geheimnis“, dass rund 30 bis 40 Prozent der Bürgergeld-Empfänger falsche Angaben in ihren Anträgen machten.
Das Jobcenter wirft dem Mitarbeiter vor, das Interview mit dem ZDF nicht abgesprochen zu haben. Gegen die fristlose Kündigung will Fred Göcken nun vorgehen. Grundsätzlich dürfen Beschäftigte Kritik an ihrem Arbeitgeber äußern – allerdings nur, „solange sie sachlich und konstruktiv“ sei. Genau das sieht die Behörde im Fall des ZDF-Interviews offenbar anders.
„Das Vertrauensverhältnis ist damit zerstört“
„Es wird der Eindruck erweckt, man würde dem gesetzlichen Auftrag, Menschen in Arbeit zu bringen, nicht nachkommen wollen“, heißt es in dem Kündigungsschreiben. Und weiter: „Das Vertrauensverhältnis ist damit zerstört.“
Gegenüber dem „Weser Kurier“ bekräftigte Fred Göcken seine Kritik. „Der Eindruck eines selbsterhaltenden Systems verfestigt sich bei mir immer mehr. Die Kosten steigen Jahr für Jahr“, zitiert ihn die Zeitung. Aus seiner Sicht sei eine umfassende Reform notwendig, „denn Leistungen ohne Gegenleistung und ohne temporäre Begrenzung haben das System an den Rand des Zusammenbruchs gebracht.“
Weitere Kritik äußerte Fred Göcken an der Verwendung von Fördermitteln in den Jobcentern. Nach seiner Darstellung liege der Schwerpunkt häufig darauf, die für Integrations- und Bildungsmaßnahmen bereitgestellten Budgets vollständig auszuschöpfen. Das Jobcenter Bremen wies die Vorwürfe in einer Stellungnahme deutlich zurück.

















































