Rund fünf Millionen Menschen beziehen in Deutschland Bürgergeld. Wie der Alltag mit staatlichen Leistungen aussieht, hat das ZDF in einer Dokumentation gezeigt. Doch ein Verein wirft der Sendung eine verzerrte Darstellung vor und hat sogar eine Programmbeschwerde eingereicht. Nun reagiert auch die Moderatorin auf die Kritik.
In der ZDF-Sendung „Am Puls mit Sarah Tacke – System Bürgergeld: Leben ohne Leistung?“ wurde der Alltag von Bürgergeld-Empfängern beleuchtet, welche am 14. Mai 2026 ausgestrahlt wurde. Unter anderem ging es um einen Mann, der nach eigenen Angaben seit 40 Jahren den Staat regelrecht ausnutzt.
„Du kriegst ja ohne zu arbeiten doch eine ganze Menge Geld“
„Nach der Lehre wurde ich mal kurz arbeitslos und stellte fest: Ups, du kriegst ja ohne zu arbeiten doch eine ganze Menge Geld. So schlecht ist das ja gar nicht“, prahlt er in der ZDF-Sendung. Aktuell erhalte er monatlich 1.750 Euro vom Staat. Durch zwischenzeitliche Festanstellungen und Krankschreibungen sei es ihm gelungen, „fast ununterbrochen den Anspruch auf das deutlich lukrativere Arbeitslosengeld zu sichern.“ Weiter erklärt er: „Die Krankenkassen zahlen 76, 78 Wochen Krankengeld, das sind 70, 80 Prozent vom Nettolohn. Und die habe ich dann gerne mitgenommen. Und Anfang nächsten Jahres gehe ich in die Altersrente.“
Auch an anderer Stelle prahlt der Bürgergeld-Empfänger mit dem deutschen Sozialsystem: „Es hätte in keinem anderen Land der Welt so funktioniert – weder in Holland, Schweiz, Dänemark, wo auch immer. Kompliment und Dankeschön an den deutschen Staat!“ In der Dokumentation wurde zudem ein Mann gezeigt, der neben dem Bürgergeld rund 45.000 Euro schwarz verdient haben soll.
Verein reicht Programmbeschwerde beim ZDF-Fernsehrat ein
Nun hat der Verein „Sanktionsfrei“ eine Programmbeschwerde beim ZDF-Fernsehrat eingereicht. Der Vorwurf der Organisation: Die Berichterstattung sei weder sachlich noch ausgewogen oder diskriminierungsfrei gewesen. „Die Sendung arbeitet aus unserer Sicht mit drastischen Einzelfällen, fehlender Einordnung und mehrfachen pauschalisierenden negativen Zuschreibungen gegenüber Bürgergeldbeziehenden“, schreibt der Verein bei Instagram.
Zu den zentralen Kritikpunkten gehört laut dem Verein, dass Sozialleistungsbetrug verzerrt dargestellt werde, Erkrankungen bagatellisiert würden und Migration mit Sozialleistungsmissbrauch problematisch sowie unbelegt verknüpft werde. Helena Steinhaus, Gründerin des Vereins, schrieb bei Instagram: „Hier werden auf 45 Minuten arme Menschen genüsslich gegeneinander ausgespielt und rassistische Ressentiments geschürt.“
Nun hat sich auch die Moderatorin der Sendung zu Wort gemeldet und die Kritik zurückgewiesen. „Klar ist: Die allermeisten beziehen Bürgergeld zu Recht. Aber ein System muss Missbrauch verhindern – sonst verliert der Sozialstaat Akzeptanz. Und die neue Grundsicherung bringt zwar härtere Sanktionen, ein echter Systemwechsel ist sie aber nicht“, schreibt Sarah Tacke auf der Plattform X.
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