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„Linear ist nicht tot“: KUKKSI-Interview mit RTL-Unterhaltungschef Markus Küttner

Markus Küttner
RTL / Jörn Strojny

Ist das lineare Fernsehen wirklich tot? Und warum startet die neue Staffel von „Die Bachelors“ eigentlich erst so spät im Free-TV und denkt man bei RTL über ein Comeback von „Das Supertalent“ nach? Unterhaltungschef Markus Küttner beantwortet diese Fragen im Interview mit KUKKSI-Chefredakteur Oliver Stangl und gibt auch einen Einblick, wie zufrieden er mit der derzeitigen DSDS-Staffel ist. 

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Immer wieder gibt es die Debatte, dass das lineare Fernsehen tot sei. Denn schließlich haben Streamingangebote den Markt erobert – und dennoch zieht das lineare Fernsehen trotz der Streaming-Konkurrenz täglich Millionen Zuschauer vor die Bildschirme. Auch RTL hat zahlreiche erfolgreiche Formate im Programm – dazu zählen etwa nicht nur das Dschungelcamp, sondern auch „Let’s Dance“, „Wer wird Millionär?“ oder „Bauer sucht Frau“.

RTL-Unterhaltungschef Markus Küttner spricht jetzt darüber, welche Vorteile man als linearer TV-Sender mit der erfolgreichen Streamingplattform RTL+ im Vergleich zu Netflix & Co. hat. Außerdem zieht er eine Bilanz zur derzeit laufenden DSDS-Staffel, was sich durch die Übernahme von Sky ändern wird und wie es mit Stefan Raab weitergeht. Und er verrät, weshalb „Die Bachelors“ erst fünf Wochen nach der Streaming-Premiere im Free-TV laufen werden.

KUKKSI-Interview mit Markus Küttner

Laut Kritikern sei das lineare Fernsehen tot. Mit „Let’s Dance“ erreicht RTL jedoch jeden Freitag ein Millionenpublikum und liefert den Beweis, dass lineares Fernsehen doch noch funktioniert. Weitere Beispiele sind „Bauer sucht Frau“, „Wer wird Millionär?“ und natürlich das Dschungelcamp, welche Millionen Zuschauer vor die Bildschirme holen. Lebt das lineare Fernsehen also doch noch?

Ganz ehrlich: Totgesagte leben ja bekanntlich länger – und beim linearen Fernsehen gilt das ganz besonders. Klar, die Nutzung verändert sich, keine Frage. Aber immer, wenn wir es schaffen, echte Lagerfeuer-Momente zu kreieren, dann sitzen die Menschen nach wie vor gemeinsam vor dem Fernseher. „Let’s Dance“, der Dschungel oder auch „Wer wird Millionär?“ sind genau solche Abende. Da geht’s um Emotion, um Live-Gefühl, um Mitfiebern. Und das kann Streaming so in der Form oft noch nicht leisten. Ich sehe das deshalb nicht als Entweder-oder, sondern als Zusammenspiel. Linear ist nicht tot – es hat nur gelernt, sich auf das zu konzentrieren, was es wirklich gut kann.

Während „Let’s Dance“ erfolgreich ist und RTL freitags zum Marktführer katapultiert, klappt das bei einigen anderen Formaten linear jedoch nicht, bzw. sind die Quoten überschaubar. Woran liegt das?

Also zunächst möchte ich feststellen, dass es uns an deutlich mehr Abenden, als nur am Freitag gelingt, die Marktführerschaft zu erobern. Den Dschungel und „Wer wird Millionär?“ haben wir schon erwähnt, aber auch mit Programmen wie „Bauer sucht Frau“, „Ninja Warrior Germany“, „DSDS“ oder jüngst der neuen Factual-Reihe „Inside“ gelingt es uns immer wieder, die Nase vorn zu haben. Aber es ist natürlich klar, dass auch RTL nicht an jedem Abend den ersten Platz belegen kann – zumindest, wenn wir die öffentlich-rechtlichen Sender in die Betrachtung mit einbeziehen. Unter den Privatsendern liegen wir sehr häufig vorn. Ich sehe es so: Erfolg im Fernsehen ist kein Zufallsprodukt, sondern eine Mischung aus Marke, Timing, Casting und natürlich auch immer ein bisschen Glück. „Let’s Dance“ ist über viele Jahre gewachsen, hat Vertrauen aufgebaut und eine klare Erwartung beim Publikum. Neue Formate müssen sich das erst erarbeiten und es ist für alle Sender zunehmend schwer, neue Hits zu etablieren. Und dann gibt’s eben auch Formate, die vielleicht inhaltlich gut sind, aber nicht den Nerv der Zeit treffen – oder schlicht zur falschen Zeit laufen. Das gehört dazu. Wichtig ist, dass man daraus lernt und weiterentwickelt.

„Das Sommerhaus der Stars“ war bei RTL+ im vergangenen Jahr ein riesiger Erfolg. Ist für Sie die Quote im linearen Fernsehen oder mittlerweile die Abrufzahlen bei RTL+ entscheidender?

Die kurze Antwort: beides. Die etwas Längere: Wir schauen uns das Gesamtbild an. Natürlich ist die klassische Quote nach wie vor wichtig – gerade für unsere großen Marken im linearen TV. Aber gleichzeitig sehen wir, dass Formate wie das „Sommerhaus“ auf RTL+ ein Eigenleben entwickeln, teilweise sogar mit ganz neuen Zielgruppen. Am Ende geht’s nicht um einen Wettbewerb zwischen linear und Streaming, sondern darum, möglichst viele Menschen zu erreichen. Und wenn ein Format auf RTL+ durch die Decke geht, dann ist das für mich genauso ein Erfolg wie eine starke Primetime-Quote im linearen TV. Beim Sommerhaus hatten wir glücklicherweise in Summe deutlich mehr Zuschauer als im Vorjahr, obwohl die Zahlen im klassischen TV zurückgegangen sind – wir konnten das also mit RTL+ mehr als kompensieren.

Wie zufrieden sind Sie mit der DSDS-Staffel?

Ich bin sehr zufrieden mit der aktuellen Staffel – vor allem, weil wir uns im Vergleich zu 2024 deutlich gesteigert haben. Das sieht man nicht nur an den Zahlen, sondern auch am Feedback. Die Jury mit Isi Glück, Dieter Bohlen und Bushido funktioniert aus meiner Sicht wirklich hervorragend – das ist eine spannende Mischung, die Reibung erzeugt, aber gleichzeitig auch sehr unterhaltsam ist. Dazu kommen die inhaltlichen Anpassungen an der Show, die aus meiner Sicht genau richtig waren. Wir haben an den richtigen Stellschrauben gedreht – und das Publikum geht diesen Weg mit. Deshalb machen wir im nächsten Jahr genau da weiter.

Menowin Fröhlich zählt zu den Favoriten der Staffel. Zählt er auch zu Ihren Favoriten?

Ich halte mich bei solchen Fragen traditionell raus. Meine Tipps liegen erfahrungsgemäß ungefähr so oft richtig wie ein Wetterbericht für übernächste Woche. (lacht) Aber klar ist: Menowin bietet eine tolle Geschichte mit Emotion, Fallhöhe und ganz viel Talent – genau das, was so eine Show braucht. Und am Ende entscheiden sowieso die Zuschauerinnen und Zuschauer.

„Das Supertalent“ wurde nicht weitergeführt – zumindest vorerst. Gab es doch noch einmal Überlegungen, die Castingshow neu aufzulegen?

„Das Supertalent“ ist eine starke Marke, gar keine Frage. Aber spektakuläre Talente kann man heute jederzeit auf TikTok und YouTube sehen – ohne Jury, ohne Werbung und ohne Wartezeit. Das Publikum hat durch sein Einschaltverhalten ziemlich klar signalisiert, dass diese Art von Casting- und Talentshow in dieser klassischen Form im Moment nicht mehr zieht. Deshalb gilt auch hier: Wenn wir es nochmal machen, dann nur mit einer wirklich neuen Idee – und nicht, weil der Titel so schön klingt oder weil die Show vor einigen Jahren so erfolgreich lief.

Die neue „Bachelors“-Staffel läuft zuerst bei RTL+, aber erst rund einen Monat später bei RTL. Wieso erst so spät?

Weil wir sehen, dass gerade jüngere Zielgruppen solche Formate sehr stark im Streaming nutzen. Bei den „Bachelors“ lag der Streaming-Anteil zuletzt bei rund zwei Dritteln der Nutzung – das ist schon eine Ansage. Deshalb geben wir RTL+ bewusst den Vorlauf. Das lineare TV bleibt aber ein wichtiger Schaufenster-Moment. So holen wir beide Welten bestmöglich ab. Die Bachelor-Welt ist so wichtig für uns, dass wir mit „Der Bachelor – Pauls zweite Chance“ die Geschichte weiterschreiben und um ein weiteres Format ergänzen werden. Ich habe mich selten so auf ein Programm gefreut, wie auf Paul Jankes zweiten Anlauf als Rosenkavalier.

RTL ist der Vorreiter im Genre Reality. Was macht für Sie ein gutes Reality-Format aus und zählt bei den Protagonisten eher der Bekanntheitsgrad oder das Konfliktpotenzial?

Wenn ich nur auf Konflikt setzen würde, hätten wir wahrscheinlich jeden Abend Geschrei – aber vermutlich keine gute Unterhaltung.
Ein gutes Reality-Format lebt von echten Geschichten und Emotionen von echten Menschen, die etwas zu erzählen haben. Konflikte entstehen dann meist ganz von alleine. Am Ende ist die Mischung entscheidend. Unterschiedliche Charaktere, unterschiedliche Hintergründe – und dann passiert das, was man nicht planen kann. Und genau das lieben die Zuschauer.

Zur Personalie Stefan Raab: Während der Entertainer mit seiner wöchentlichen Show eher weniger ein Zuschauermagnet war, feierte er mit großen Primetime-Shows wie „Wer weiß wie wann was war?“ oder dem ESC-Vorentscheid Erfolge. Hat man ihm einfach das falsche Format gegeben oder funktioniert das Genre Late-Night in der heutigen Zeit nicht mehr?

Ich glaube, dass man das nicht auf „richtig“ oder „falsch“ runterbrechen sollte. Stefan Raab ist nach wie vor ein Ausnahmetalent – und das zeigt sich vor allem bei großen Events, die er wie kaum ein Zweiter inszenieren kann. Gleichzeitig sehen wir, dass sich seine Late Night heute in einem deutlich veränderten Nutzungsumfeld behauptet. Stefan entwickelt mit seiner Show das Genre weiter – auch, indem er Social Media sehr stark einbindet. Genau das ist heute entscheidend, um relevant zu bleiben.

Die Konkurrenz ist durch Streaminganbieter wie Netflix oder Prime Video riesig, welche mittlerweile ebenfalls zahlreiche eigene Shows produzieren – auch in der Sparte Reality. Wie will man sich als linearer Sender, welcher mit RTL+ auch eine erfolgreiche Streamingplattform hat, von den US-Riesen abheben?

Indem wir das spielen, was wir besser können: Nähe, Relevanz und Live-Gefühl. Unsere Formate sind Teil der deutschen Alltagskultur – ob Dschungelcamp oder „Let’s Dance“ – aber natürlich auch „Temptation Island“ oder „Are You The One“, um nur zwei unserer erfolgreichen RTL+ Originals zu nennen. Über diese Programme wird am nächsten Tag gesprochen, im Büro, beim Bäcker oder auf Social Media. Und wir haben den Vorteil, dass wir beides aus einer Hand anbieten: lineares Fernsehen und Streaming. Diese Kombination ist unsere große Stärke.

Die RTL-Gruppe hat Sky gekauft. Was wird sich insbesondere im Unterhaltungsbereich durch die Übernahme ändern?

Solche Deals sind ja kein Selbstzweck, sondern sollen uns stärker machen. Im Unterhaltungsbereich bedeutet das vor allem: mehr Möglichkeiten, Inhalte größer zu denken, mehr Reichweite, mehr Kooperationen. Ich glaube, dass wir dadurch noch besser in der Lage sind, echte Event-Momente zu schaffen – und genau die sind am Ende entscheidend, egal ob linear oder im Streaming. Und natürlich freue ich mich auf ein Wiedersehen mit Natascha Ochsenknecht, die ja vor ein paar Jahren am Dschungelcamp teilgenommen hat. (lacht)

KUKKSI bedankt sich bei Markus Küttner für das Interview.

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