Ohne ihn wäre „Go Trabi Go“ kaum vorstellbar: Mit dem himmelblauen Trabant „Schorsch“ macht sich Familie Struutz von Bitterfeld auf den Weg nach Italien. Mehr als 35 Jahre nach dem Kinostart stellt sich die Frage: Was wurde eigentlich aus dem berühmten Filmauto? Die Antwort ist überraschender als gedacht.
Wolfgang Stumph, Marie Gruber und Claudia Schmutzler wurden mit „Go Trabi Go“ einem Millionenpublikum bekannt. Doch neben den Schauspielern avancierte noch jemand zum heimlichen Star der Komödie: der Trabant 601, den Udo Struutz liebevoll „Schorsch“ nennt.
Für die Familie ist der Wagen viel mehr als ein Fortbewegungsmittel. Vollgepackt mit Gepäck und dem legendären Dachzelt geht es im Sommer 1990 Richtung Italien. Dabei muss „Schorsch“ einiges über sich ergehen lassen.
Den einen „Schorsch“ gab es gar nicht
Was die Zuschauer im fertigen Film nicht bemerken: Hinter „Schorsch“ verbargen sich gleich mehrere Autos. Nach Angaben, die unter anderem vom MDR veröffentlicht wurden, kamen bei den Dreharbeiten rund ein Dutzend unterschiedlich präparierte Trabants zum Einsatz.
So gab es beispielsweise einen „Bitterfeld-Trabi“ für die Aufnahmen im Osten und einen weiteren Wagen für die Szenen in München. Für spektakulärere Sequenzen wurden spezielle Stunt-Trabis gebaut.
Einer bekam eine verstärkte Radaufhängung und ein entsprechend präpariertes Getriebe, damit die Fahrt auf zwei Rädern gedreht werden konnte. Ein anderes Exemplar erhielt einen zusätzlichen Rohrrahmen für den Sprung durch eine Plakatwand. Für weitere Einstellungen gab es sogar einen Trabant, dessen Motorhaube und Kotflügel sich während des Stunts lösen konnten. Für die Zuschauer sahen die verschiedenen Autos jedoch weitgehend nach demselben „Schorsch“ aus.

Sogar ein Trabant 1.1 musste aushelfen
Auch unter der Motorhaube wurde getrickst. Für einige Stunts kam nicht der klassische Trabant 601 zum Einsatz, sondern ein Trabant 1.1. Das deutlich modernere Viertaktmodell wurde erst 1990 eingeführt.
Der für die Dreharbeiten präparierte Wagen gehörte später dem damaligen Film-Monteur Hans-Jürgen Kuhn, der die verschiedenen Fahrzeuge für die Produktion beschafft und umgebaut hatte. Nach dessen Tod wird das Auto laut Berichten von seinem Sohn erhalten und gelegentlich bei Oldtimerveranstaltungen gezeigt. Ein weiterer Trabant, der bei „Go Trabi Go“ eingesetzt worden sein soll, landete dagegen im Automuseum Nordsee in Norddeich.
„Schorsch“ schaffte es sogar ins Museum
Mindestens einer der Film-Trabis wurde Jahre später auch in Zwickau ausgestellt – ausgerechnet dort, wo der Trabant einst produziert wurde. Das August Horch Museum zeigte 2018 in seiner Sonderausstellung „60 Jahre Trabant“ einen als „Schorsch“ aus „Go Trabi Go“ bezeichneten Film-Trabant. Damit kehrte ein Stück Filmgeschichte an den Geburtsort des Trabants zurück.
Die Frage, wo „Schorsch“ heute steht, lässt sich deshalb nicht mit einem einzigen Standort beantworten. Denn der himmelblaue Kult-Trabi war im Film eine Illusion aus mehreren Fahrzeugen.

Aus mehreren Trabants wurde ein Filmstar
Für „Go Trabi Go“ wurden die Autos je nach Szene umgebaut, verstärkt oder teilweise sogar für Stunts geopfert. Auf der Leinwand verschmolzen sie jedoch zu einem einzigen Wagen – und damit zu „Schorsch“.
Genau dieser Trick funktionierte offenbar hervorragend. Denn mehr als drei Jahrzehnte später erinnern sich die meisten Zuschauer nicht an zwölf verschiedene Trabants, sondern an genau einen: den himmelblauen „Schorsch“, der Familie Struutz von Bitterfeld bis nach Italien brachte.
„Go Trabi Go“ läuft am 5. Oktober 2026 um 20.15 Uhr auf NITRO.


















































