Party, Sonne und endlich Urlaub ohne die Eltern: Jugendreisen versprechen Teenagern Freiheit, Abenteuer und jede Menge Spaß. Doch was passiert, wenn Alkohol, Partys und mögliche K.-o.-Tropfen ins Spiel kommen?
„Team Wallraff“ hat undercover bei den drei großen kommerziellen Jugendreiseanbietern RUF, FUN/FIT und GO in Lloret de Mar und Malgrat de Mar recherchiert. RTL zeigt die komplette Recherche heute um 20.15 Uhr – bereits jetzt ist die Folge bei RTL+ verfügbar.
Minderjährige kommen offenbar an Alkohol
Bei allen drei Anbietern beobachten die Reporterinnen laut RTL, dass auch Minderjährige Alkohol bekommen. Besonders dramatische Szenen erlebt Reporterin Sophia während ihres Undercover-Einsatzes bei RUF. Als „Night Guard“ kümmert sie sich unter anderem um stark alkoholisierte Jugendliche.
Nach einer Party wird ein junges Mädchen kaum ansprechbar ins Hotel gebracht. Rund eine Stunde liegt die Jugendliche auf einer Couch, später muss sie von mehreren Personen in ihr Zimmer getragen werden. Unterwegs bricht sie mehrfach zusammen, ihr Kopf sackt immer wieder nach hinten.
Die Teamer sind offenbar unsicher, ob medizinische Hilfe notwendig ist, und wenden sich an ihre Vorgesetzte. Ein Rettungswagen wird schließlich nicht gerufen. RUF äußert sich gegenüber RTL nicht konkret zu dem Fall, verweist jedoch auf „klare Handlungsvorgaben“ für medizinische Notfälle. Mitarbeitende seien entsprechend geschult.
Alkohol spielt bei Partys offenbar eine große Rolle
Auch bei FUN macht das Reporterteam Beobachtungen rund um Alkohol. Bei einer Begrüßungsveranstaltung werden Partys und Ausflüge damit beworben. Bei einer Partynacht ist etwa von starken Mischgetränken die Rede, die „anders schallern“ würden.
FUN erklärt gegenüber RTL, dass Ausflüge und Aktivitäten im Rahmen der geltenden Jugendschutzbestimmungen auch Veranstaltungen mit speziellen Getränkeermäßigungen umfassen könnten.
Bei GO sollen wiederum Armbänder zeigen, welche Gäste Alkohol trinken dürfen. Dennoch entdeckt Reporterin Julia im Sanitätsraum einer Großraumdiskothek mehrere stark alkoholisierte Jugendliche – darunter laut der Recherche auch unter 16-Jährige. GO erklärt, detaillierte Fragen zu Ereignissen aus der Saison 2025 ohne genauere Angaben nicht beantworten zu können. Grundsätzlich biete das eigene Partyreisekonzept „mit den besten Standard in der Branche“.
Wie gut sind die jungen Teamer vorbereitet?
Die Recherche wirft außerdem Fragen zur Ausbildung und Vorbereitung der Betreuer auf. Teilweise absolvieren diese demnach lediglich mehrstündige Online-Schulungen. Reporterin Michelle muss aufgrund ihres kurzfristigen Einsatzes beispielsweise keinen obligatorischen Erste-Hilfe-Kurs nachweisen. Auch ihr Führungszeugnis liegt bei Arbeitsbeginn noch nicht vor.
FUN erklärt dazu, dass bei Teamern mit besonderen Vorerfahrungen in Einzelfällen auf eine mehrtägige Schulung verzichtet werden könne. Bei kurzfristig bevorstehenden Reisen könnten außerdem Unterlagen nachgereicht werden.
Besonders brisant: Die Reporterinnen erleben auch Teamer, die selbst Alkohol trinken, obwohl sie nachts Jugendliche begleiten und im Ernstfall helfen sollen. Eine FUN-Mitarbeiterin berichtet sogar, nach Alkoholkonsum einen Jugendlichen ins Krankenhaus gefahren zu haben, weil ihre Kollegen noch betrunkener gewesen seien. FUN betont dagegen, dass täglich mehrere Mitarbeiter eingeteilt würden, die keinen Alkohol trinken und nachts für Notfälle bereitstehen.
Verdacht auf K.-o.-Tropfen
Noch ernster sind mehrere Situationen, in denen Jugendliche vermuten, dass ihnen etwas ins Getränk gegeben wurde. Eine 16-jährige RUF-Teilnehmerin berichtet beispielsweise von Erinnerungslücken und äußert den Verdacht auf K.-o.-Tropfen.
RUF verweist gegenüber RTL auf „klare Meldewege“. Die Teamer seien angewiesen, entsprechende Verdachtsfälle unverzüglich an entscheidungsbefugte Mitarbeiter weiterzugeben. Auch bei einer von GO organisierten Party kommt bei mehreren Mädchen laut „Team Wallraff“ der Verdacht auf K.-o.-Tropfen auf.
Auch möglicher sexualisierter Übergriff wird zum Thema
Während der Recherche stößt das Team außerdem auf Hinweise zu möglichen sexualisierten Übergriffen. In einem Fall soll eine 16-Jährige eine andere Minderjährige bei einer sexuellen Handlung gefilmt und das Video anschließend anderen Personen gezeigt haben.
RUF äußert sich nicht konkret zu diesem Fall. Das Unternehmen betont jedoch, dass bestätigte Verstöße Konsequenzen hätten. Bei Minderjährigen würden grundsätzlich die Erziehungsberechtigten informiert und weitere Schritte mit ihnen abgestimmt.
Für die RTL-Recherche kommen auch Experten zu Wort. Kerstin Claus, Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, findet angesichts der geschilderten Ergebnisse deutliche Worte: „Das hat mit Jugendschutz logischerweise nichts zu tun. Hier muss man ganz klar sagen, Anbieter sind in der Verantwortung und stehen in der Haftung.“


















































