Hunde gelten als treue Begleiter des Menschen – und sie zeigen ihre Zuneigung oft sehr direkt. Ein freudiges Anspringen, Schwanzwedeln oder eben ein ausgiebiges Ablecken gehören für viele Vierbeiner zum Alltag. Besonders das sogenannte „Hundeküsschen“ im Gesicht wird von vielen Haltern als liebevolle Geste interpretiert. Doch was harmlos wirkt, kann im Einzelfall ernste gesundheitliche Folgen haben.
Seit Jahren hält sich das Gerücht, der Mund eines Hundes sei sauberer als der eines Menschen. Fachleute widersprechen diesem Mythos jedoch deutlich. Tatsächlich ist die Schnauze von Hunden ein komplexes Ökosystem, in dem sich zahlreiche Mikroorganismen befinden. Kommt es beim Ablecken zu engem Kontakt mit Schleimhäuten oder kleinen Hautverletzungen, können diese Keime auf den Menschen übertragen werden.
Hunde können gefährliche Erreger verbreiten
Experten warnen deshalb vor möglichen Infektionen. Der US-amerikanische Tierarzt Marty Becker beschreibt das Verhalten pointiert: Während Menschen sich zur Begrüßung auf die Wange küssen, „küssen“ Hunde mitunter deutlich weniger hygienische Körperstellen – und tragen entsprechende Keime im Maul. Auch der Virologe John Oxford von der Queen Mary University in London betont, dass Hunde durch ihr Verhalten – etwa das Schnüffeln an Abfällen oder Kot – regelmäßig mit potenziell gefährlichen Erregern in Kontakt kommen.
Zu den Mikroorganismen, die im Hundemaul nachgewiesen werden können, zählen unter anderem Clostridien, E.-coli-Bakterien, Salmonellen oder Campylobacter. Auch Parasiten wie Wurmeier können übertragen werden. Gelangen diese Erreger in den menschlichen Körper, sind insbesondere Magen-Darm-Erkrankungen eine mögliche Folge.
Mann lässt sich von Hund ablecken – danach versagten die Nieren
In seltenen Fällen kann der Kontakt jedoch deutlich schwerwiegendere Konsequenzen haben. So gilt das Bakterium Capnocytophaga canimorsus als besonders gefährlich. Es kommt natürlicherweise im Maul vieler Hunde vor und kann beim Menschen schwere Infektionen auslösen. Ein dokumentierter Fall aus dem Jahr 2014 zeigt die möglichen Risiken: Nach dem Kontakt mit einem Hund entwickelte ein Mann zunächst grippeähnliche Symptome, später versagten mehrere Organe – die Infektion endete tödlich.
Auch andere Bakterien wie Pasteurella können problematisch werden. Sie siedeln sich häufig in den oberen Atemwegen von Hunden an und können beim Menschen unter anderem Entzündungen, Blutvergiftungen oder im Extremfall Hirnhautentzündungen verursachen.
Mediziner raten daher zu einem bewussten Umgang mit Haustieren: Regelmäßige tierärztliche Untersuchungen, eine gute Hygiene und das Vermeiden von direktem Kontakt zwischen Hundeschnauze und Gesicht – insbesondere bei offenen Wunden oder geschwächtem Immunsystem – können helfen, das Risiko deutlich zu reduzieren.


















































