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Wahl 2017 – Politiker-Check: Cem Özdemir (Die Grünen)

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN / Dominik Butzmann

Cem Özdemir ist Spitzenkandidat der Grünen und will bei der Bundestagswahl um den dritten Platz kämpfen. Im exklusiven Interview mit kukksi spricht der Politiker über die Bildungspolitik, weshalb die Gehaltsunterschiede in Deutschland so unterschiedlich war und wie eigentlich sein erster Joint war.

Was wollen Sie für junge Menschen generell besser machen?

Zwei Dinge treiben mich da um: Einerseits will ich, dass junge wie alte Menschen nicht danach beurteilt werden, wo sie herkommen, sondern danach, wo sie hinwollen. Es darf nicht darauf ankommen, ob man Lehmann oder eben Özdemir heißt, ob die Eltern Arbeiter sind oder Akademiker. Wichtig sollte allein sein, wie man drauf ist. Aber das wird noch ein langer Weg. Andererseits will ich jungen Menschen die Welt so hinterlassen, dass sie nicht in katastrophalem Zustand ist. Damit meine ich nicht nur die Umwelt, sondern insbesondere auch die Frage von Krieg und Frieden.

Was läuft in der Bildungspolitik schief und was wollen Sie ändern?

Da läuft einiges schief. Am schlimmsten finde ich, dass der Erfolg in der Schule stark davon abhängt, aus welchen Verhältnissen ein Kind kommt. Schülerinnen und Schüler aus Arbeiterfamilien oder mit Migrationsgeschichte haben es häufig sehr schwer. Ich weiß, wovon ich spreche, ich landete zunächst auf der Hauptschule, hatte in Deutsch eine Fünf. Dass ich am Ende sogar studieren konnte, verdanke ich einigen engagierten Lehrern und Eltern von Freunden. Da hatte ich eine Menge Glück. Aber das Leben von Kindern und Jugendlichen sollte nicht von Glück und Zufall abhängen. Das ist extrem ungerecht, das will ich ändern.

Was sagen Sie zu jungen Menschen, von denen viele nicht verstehen, dass die Gehaltsunterschiede in Deutschland so unterschiedlich sind?

Ich sage, dass ich da auch Vieles nicht verstehe. Es ist klar, dass Menschen für verschiedene Arbeit unterschiedlich viel verdienen. Es ist aber eine Riesensauerei, dass Frauen oft für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt werden als Männer. Das will ich ändern. Absurd finde ich auch, wenn aber ein Manager in einem Unternehmen das über 100-fache eines normalen Facharbeiters verdient. Das hat doch mit leistungsgerechter Bezahlung nichts mehr zu tun

Was würden Sie als Bundeskanzler als Erstes in Angriff nehmen?

Ich würde die 20 schmutzigsten Kohlekraftwerke abschalten. Die wurden teilweise in den 1960er Jahren gebaut. Sie sind absolut veraltet und verpesten unsere Luft.

Wie wollen Sie Politik für junge Menschen interessanter machen?

Nur zugucken, wie die „Alten“ sich streiten, ist nicht besonders spannend. Deshalb will ich, dass junge Leute richtig mitmachen können. Dazu sollte beispielsweise das Wahlalter auf 16 herabgesetzt werden.

Warum wollen Sie Cannabis legalisieren?

Ich will Cannabis keineswegs einfach legalisieren. Es geht nicht um eine Verharmlosung dieser Droge, die insbesondere bei jungen Menschen heftige Gesundheitsschäden anrichten kann. Ich will einen streng kontrollierten Verkauf mit einem wirksamen Jugendschutz. Es soll für unter 18-Jährige viel schwerer werden, an das Zeug zu kommen. Denn heute ist Cannabis zwar verboten, aber seien wir mal ehrlich, jeder kann sich das Zeug nahezu überall besorgen. Keiner weiß, was da so alles reingemischt wurde, der THC-Gehalt steigt immer weiter und kann Psychosen verursachen. Der Dealer fragt auch nicht nach dem Personalausweis und kontrolliert, ob der Konsument schon volljährig ist.

Wie war Ihr erster Joint?

Der Klassiker: “Das wirkt nicht, ich merke gar nichts.”

Über Cem Özdemir

Cem Özdemir ist seit 2008 der Bundesvorsitzende von Bündnis 90 / DIE GRÜNEN. Seine politische Laufbahn begann im Jahr 1981, wo er Mitglied der Grünen wurde. Von 1989 bis 1994 war er im Grünen-Landesvorstand von Baden-Württemberg. Migranten in Deutschland zählten zu seinen politischen Haupthemen. 1992 war er einer der Mitbegründer von “Immi-Grün – Bündnis der neuen InländerInnen”. Bei den Bundestagswahlen 1994 und 1998 wurde er in den Bundestag gewählt. Seit 1998 war er innenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Bei der Europawahl 2004 wurde Özdemir in das Europäische Parlament gewählt.

Cem Özdemir wanderte als Gastarbeiter im Jahr 1961 nach Deutschland aus und war zunächst in einer Textilfarbik im Schwarzwald und danach in einem Unternehmen für Feuerlöschproduktion tätig. Cem Özrdemir machte eine Ausbildung zum Erzieher in Reutlingen, erwarb dann die Fachhochschulreife und absolvierte ein Studium der Sozialpädagogik. Mit dem erreichen dem Alter von 18 Jahren erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft.

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